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Bücherbrief der Sendlinger Buchhandlung im Februar 2015

 

flusspferd web

Leseprobe

Ein moderner Bildungsroman? Leider wird dieser Held nicht gefestigt, vielmehr verunsichert durch diese Welt. Arno Geiger erzählt in seinem neuen Buch die Geschichte des 22-Jährigen Julian, der unter der Trennung von Judith leidet. Er ist Student der Tiermedizin und nimmt in den großen Semesterferien zur Ablenkung einen Job bei seinem Professor an. Ihm wird die Pflege eines Zwergflusspferdes anvertraut. Dieses Tier bestimmt mit seinen niederen Instinkten den Rhythmus dieses Sommers. Schließlich verliebt sich Julian ernsthaft in Aiko, die Tochter des Professors. Sein Freund Tibor rät ihm zu mehr Leichtigkeit, doch ihn plagen Zukunftsängste. Geiger ist ein beeindruckender Roman über die Unsicherheiten des Erwachsenwerdens gelungen, über die Suche nach dem richtigen Platz in der Welt. 

Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd. Roman. Hanser 2015, 288 Seiten, 19,90 Euro

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Auch als ebook (15,99 Euro) und als Hörbuch (19,99 Euro) erhältlich.

Therpux web

Leseprobe

Taormina auf Sizilien im Jahr 1962: Ein junger Amerikaner ist auf Italienreise mit nichts bei sich außer einer Garnitur Kleidung und einer Ledertasche. Er fertigt Skizzen an und lässt sich treiben. Als er eines Tages einem ungewöhnlichen Paar begegnet, ergeben sich für ihn neue Möglichkeiten und er beschließt, noch ein wenig zu bleiben in dem malerischen Küstenort.  Der Arzt Haroun bittet den jungen Mann um einen Gefallen, dafür wird er von ihm ausgehalten. Ein Spiel mit Sehnsüchten und Begierden beginnt und der junge, aufgeschlossene Amerikaner verstrickt sich immer mehr in diese Dreiecksbeziehung. Dieser kurzweilige Roman ist bereits 2004 in den USA erschienen. Obwohl es im Mittelteil recht intime Szenen bietet, hat das Buch uns sprachlich überzeugt und bestens unterhalten! 

Paul Theroux: Der Fremde im Palazzo d’Oro. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Gregor Hens. Hoffmann und Campe 2015, 176 S., 18 Euro

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Putzfrau

Der 14-Jährige Erzähler Paul fristet ein Dasein in der Pariser Vorstadt. Seine Mutter ist gelähmt und schlägt die Zeit mit Zappen, Psychotests und der Lektüre von Zeitschriften tot. Seine Schwester will Maniküreprofi werden und sein Vater geht Putzen. Paul begleitet ihn in seiner Freizeit und nutzt dabei jede Gelegenheit, um sich neue Wörter einzuverleiben. Er ist auf der Suche nach Identität und hofft, irgendwann seinem Milieu zu entkommen. Auch in der Schule wird er konfrontiert mit der gesellschaftlichen Spaltung und dem alltäglichen Rassismus. Am Ende gelingt ihm ein Ausweg aus dem Abseits. Die Süddeutsche Zeitung attestierte dem Roman „Albernheit“. Zwar provoziert die Sprache und ist vorlaut - aber ebenso spritzig wie  witzig.

Saphia Azzedine: Mein Vater ist Putzfrau. Roman. Aus dem Französischen von Birigt Leib. Wagenbach 2015, 128 Seiten, 14.90 Euro

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Auch als ebook (12,99 Euro) erhältlich.

wütend web

Was für ein außergewöhnliches und fast philosophisches Buch über unsere lästigen Gefühle wie Wut, Ärger und Traurigkeit! Kleinen Wutdrachen und Trotzköpfen könnte es helfen, besser mit diesen komischen Zuständen umzugehen und am Ende einfach über sich selbst zu lachen. Erdferkel, Igel und Co. können ein Lied davon singen. Das Eichhörnchen trifft das Erdferkel, das auf dem Kopf steht. „Aber warum stehst Du auf dem Kopf?“ Weil es auf den Füßen furchtbar wütend wird. Das Eichhörnchen dreht es  um und dann kann es was erleben…Regenwurm und Käfer konkurrieren um die bessere Wut. Der Krebs will der Maus ein bisschen Wut verkaufen. Am Ende ist die Wut verschwunden und alle Tiere suchen nach Gründen, sich wieder aufzuregen…

Toon Tellegen/Marc Boutavant: Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen. Übersetzt von Mirjam Pressler, Hanser 2015, 80 S., 14.90 Euro, ab 6 Jahren und zum Vorlesen

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Ohrenkraulen

Kinder brauchen Rituale, besonders bei täglichen Routinen wie dem Zubettgehen. Dann fühlen sie sich sicher und geborgen - und die Nacht wird (hoffentlich!) ruhig für die Eltern und den Nachwuchs. Dieses entzückende Pappbilderbuch für die Kleinsten zeigt solche Rituale auf einfache Weise. Das Buch lädt dazu ein, dem Hasenkind vor dem Schlafengehen zu helfen: „Es ist spät geworden. Hasenkind muss jetzt ins Bett. Die Zähne sind geputzt. Der Schlafanzug liegt bereit. Klatsch in die Hände - schon hat es ihn an.“ Und dann muss natürlich noch das Kissen aufgeschüttelt werden und die Bettdecke zurecht gelegt werden. Und ganz wichtig: Noch ganz kurz die Ohren kraulen, den Rücken streicheln und zum Schluss der Gute-Nacht-Kuss. Und Licht aus: bitte den Schalter drücken. Mit diesem Buch kann man gar nicht anders, als gerne ins Bett zu gehen! 

Jörg Mühle: Nur noch kurz die Ohren kraulen? Moritz Verlag 2015, 22 Seiten, Pappbilderbuch, 8,95 Euro

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